Welche Rolle übernimmt hierbei Ihre BNP Paribas Fortis-Zweigstelle?


A. Die Pflichten der Bank

Sperrung der Guthaben des Verstorbenen und seines Partners

Stirbt ein Kunde der Bank, ist sein Guthaben vorübergehend nicht verfügbar:

  • zum Schutz der Interessen aller Erben und
  • zum Schutz der Rechte des Finanzministeriums.

 

Daraus ergibt sich Folgendes:

  • Sobald die Bank Kenntnis vom Tod eines Kunden erlangt, können weder das Schließfach noch die Konten des Verstorbenen genutzt werden; dies gilt ungeachtet der von den Eheleuten gewählten Güterstandsregelung. 
     
  • Seit dem 1. Juli 2012 darf die Bank Guthaben aus einem Nachlass erst freigeben, wenn sie im Besitz einer Urkunde bzw. eines Erbscheins ist anhand bescheinigt wird dass weder der Erblasser noch seine Erben dem Finanzministerium oder der Sozialversicherungskasse Geld schulden.
    Sollten noch Schulden bestehen, müssen diese erst beglichen werden, bevor die Bank die Guthaben aus dem Nachlass an die Erben übertragen kann.
    Die Bank ist im Übrigen persönlich verantwortlich für den Fall, dass sie Guthaben aus einem Nachlass freigeben sollte, ohne im Besitz der erforderlichen Urkunde bzw. des Erbscheins zu sein. In diesem Fall müsste die Bank selbst für die gesetzlich geschuldete Steuer bzw. Sozialabgabe aufkommen und zwar in Höhe der Guthaben, die den Schuldnern freigegeben wurden.
     
  • Die Bank kann jedoch in Erwartung der Urkunde bzw. des Erbscheins die Mittel für eine Reihe anfallender Kosten zur Verfügung stellen. Daran sind bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Das Geld ist unter anderem für die Beisetzungskosten, für Aufwendungen im Zusammenhang mit der letzten Krankheit und diverse Kosten im Zusammenhang mit dem letzten Wohnsitz bestimmt. In Erwartung der Urkunde bzw. des Erbscheins kann die Bank dem hinterbliebenen Ehepartner oder gesetzlichen Lebenspartner unter bestimmten Voraussetzungen einen Vorschuss einräumen. Dieser Vorschuss darf aber weder die Summe von 5.000 Euro, noch die Hälfte der zum Todestag auf den Sicht- und Sparkonten befindlichen Guthaben des Verstorbenen übersteigen.
     
  • Für den Fall, dass diese Vorschrift nicht eingehalten wird, hat der Gesetzgeber eine zweifache Sanktion vorgesehen:
    • Verlust jeglichen Anteils am gemeinsamen Vermögen, Miteigentum oder Nachlass in Höhe des entnommenen Betrags, der den Wert von 5.000 Euro übersteigt.
    • Verlust der Möglichkeit, die Erbschaft auszuschlagen oder unter Inventarvorbehalt anzunehmen.

 

Sie können jedoch beruhigt sein. Trotz der befristeten Sperrung Ihrer Konten wird die Bank Ihnen Lösungen vorschlagen, sodass Sie sich keine finanziellen Sorgen machen müssen:

  • Ein neues Sichtkonto auf den Namen des hinterbliebenen Ehepartners eröffnen und einen Vorschuss darauf einzahlen, damit die täglichen Ausgaben beglichen werden können.
  • Bestimmte Rechnungen, wie die Beisetzungs- und Arztkosten, können unter bestimmten Umständen auf Antrag eines Erben oder des vollstreckenden Notars sofort gezahlt werden. Diese Rechnungen werden direkt an den Gläubiger gezahlt, sofern das Guthaben hierfür ausreicht und die betroffene Zweigstelle darin einwilligt. Es ist wichtig, alle Originalrechnungen aufzubewahren, da diese als Beleg für die angefallenen Kosten der Erbschaftssteuererklärung beigefügt werden müssen.
     

Versand der Vermögensaufstellung des Verstorbenen und seines Ehegatten an das Finanzamt
Die Banken müssen beim Tod eines ihrer in Belgien wohnhaften Kunden bzw. dessen Ehegatten dem Erbschaftsteuergesetz zufolge eine Liste sämtlicher Vermögenswerte erstellen, die auf den Namen des Verstorbenen und seines Ehegatten geführt wurden.
Sie müssen diese Aufstellung dem Finanzamt zukommen lassen, bevor die Auszahlung, Über- oder Rückgabe dieser Werte an die Erben, Vermächtnisnehmer, Beschenkten und anderen berechtigten Personen erfolgt.
Diese Aufstellung entspricht dem Inventar um 00:00 Uhr des Todestages.

Bei der Liquidation müssen Versicherungsgesellschaften dem Finanzamt ebenfalls eine entsprechende Aufstellung zukommen lassen. Die Aufstellung muss alle vom Todesfall betroffenen Lebensversicherungsprodukte erfassen, die an die Begünstigten ausgezahlt werden.

 

B. Welche Formalitäten sind im Zusammenhang mit der Nachlassabwicklung zu erledigen?

  • Dokument zur Anzeige des Todes bei der Bank
    Bezüglich der Todesanzeige bei , müssen Sie eine Kopie der Sterbeurkunde vorlegen. Diese wird vom Standesamt derjenigen Gemeinde ausgestellt, in der die Person verstorben ist. Dies ist also nicht unbedingt die Gemeinde, in der der Verstorbene gewohnt hat. Bei einem Tod im Ausland müssen Sie sich an das belgische Konsulat bzw. an die Botschaft wenden.

 

  • Unterlagen zur Nachlassabwicklung
    Je nach finanzieller und familiärer Lage des Verstorbenen teilt Ihnen  mit, welche Unterlagen zur Ermittlung der Erben und zur Abwicklung des Nachlasses erforderlich sind.

 

  • Formalitäten in spezifischen Fällen
    In bestimmten Fällen (Gütertrennung, Testament, Unfalltod usw.) müssen zusätzliche Formalitäten erledigt werden. Wenden Sie sich an  für weitere Informationen.
     

C. Wie erfolgt die Liquidation der Vermögenswerte?

Sobald alle erforderlichen Dokumente vorliegen, wird  die Liquidation der Vermögenswerte unter Beachtung der gemeinschaftlichen Anweisungen der Erben bzw. des von ihnen beauftragten Nachlassverwalters vornehmen.
Bei der Besprechung mit  werden zahlreiche Themen zur Sprache kommen:

 

  • Schließfächer
    Nach Erhalt der erforderlichen Unterlagen wird das,  im Einvernehmen mit den Erben oder deren Vertretern sowie ggf. mit dem Notar ein Termin zur Schließfachöffnung anberaumen.
    Das
     muss das Finanzamt vor dem angesetzten Öffnungstermin hiervon unterrichten.
    Falls der Schlüssel nicht gefunden wurde oder die Erben den Code nicht kennen, muss das Schloss aufgebohrt werden.
    Nach der Öffnung des Schließfachs wird ein Inventar seines Inhalts erstellt. Das Inventar wird durch einen Mitarbeiter von des  erstellt und von allen Anwesenden unterzeichnet.
    Es kann auch von einem Notar erstellt werden. Bei der Öffnung müssen alle Erben anwesend sein oder sich von einer bevollmächtigten Person vertreten lassen.
    Ist dies nicht der Fall, darf das Schließfach nicht geöffnet werden.
    Nach der Erstellung des fiskalischen Inventars können die Erben prinzipiell über den Schließfachinhalt verfügen.
     
  • Kredite
     prüft, ob bei Abschluss des Teilzahlungskredits bzw. bei Krediteröffnung eine Todesfallversicherung abgeschlossen wurde. Ist dies nicht der Fall, müssen die Erben die Tilgung fortsetzen oder aber die Restschuld in einer Einmalzahlung begleichen.
    Falls der Verstorbene eine Bürgschaft geleistet hatte, geht diese auf die Erben über. Sollte der Darlehensnehmer seinen Pflichten nicht nachkommen, müssen die Erben für den Verstorbenen die Bürgschaft übernehmen.
     
  • Versicherungen
    • Lebensversicherung: Die Lebensversicherungen werden an den bzw. die vertraglich “Begünstigten” ausgezahlt. Falls kein Begünstigter bestimmt wurde bzw. bestimmt werden kann, fließt die Versicherungsleistung dem Nachlass zu.
    • Wohnungsversicherung: Es muss eine neue Police auf den Namen eines der Erben ausgestellt werden, um eine kontinuierliche Deckung des unbeweglichen Vermögens bis zur endgültigen Entscheidung über dessen Verwendung zu gewährleisten. Die anderen Erben sind automatisch mitversichert. Falls der Verstorbene Mitversicherungsnehmer des Versicherungsvertrags war, wird keine neue Police ausgestellt. Denn die Versicherung wird auf den Namen des Versicherungsnehmers fortgeführt. Soweit überhaupt erforderlich, braucht nur das Abbuchungsverfahren umgestellt zu werden.
    • Familienversicherung - Auto: Je nach Sachlage wird die Police auf den Namen des hinterbliebenen Partners fortgeführt oder es wird eine neue Police ausgestellt, andernfalls erlischt der Versicherungsschutz.
       
  • Vermögensanlagen
    Ein Gespräch mit  empfiehlt sich, um herauszufinden, ob Ziele, Anlagevorhaben und Anlegerprofil des Verstorbenen zu denen des hinterbliebenen Partners oder der anderen Erben passen. Falls bestimmte Vermögensanlagen durchgeführt werden sollen, so wollen Verkaufsentscheidungen sorgfältig geplant werden, denn das Timing, das Angebot auf den Finanzmärkten und zahlreiche andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle.
     

Nach dem Verlust eines Partners kommt der Zeitpunkt, zu dem sich recht konkrete Fragen zum Wohnsitz der Familie, zu den gemeinsamen Konten, zur Zahlung einer Rente usw. stellen.
 

  • Erbschaftsteuer zahlen
    Es kommt vor, dass ein Verstorbener zwar ein erhebliches Immobilienvermögen, jedoch kaum Barmittel hinterlässt. Dies kann die Zahlung der Erbschaftsteuer u. U. zu einem Problem werden lassen.
    Soweit keine Lebensversicherung vorhanden ist, stellt der Verkauf einer Immobilie zwar eine Lösung dar, doch ist dies nicht die einzige. Je nach Ihrer finanziellen, familiären oder fiskalischen Situation können der Verkauf von Wertpapieren oder ein Darlehen als interessante Alternative in Frage kommen.
     
  • Ihre Einkünfte und Ausgaben

    Aufgrund des Todes Ihres Partners können Ihre Einkünfte bzw. Ihre Rente stark zurückgehen, die Fixkosten hingegen bleiben meist unverändert (Heizung, Miete, Versicherungen, Grundsteuer usw.). Daher sollte Ihr Budget umstrukturiert werden.
     

  • Ihre Vermögensanlagen
    Auf der Grundlage Ihrer neuen Lebenssituation wird Ihnen eine Überprüfung Ihres Anlegerprofils vorschlagen. Dieses Profil und die Anregungen  helfen Ihnen, eine langfristiges Zukunftsbild zu definieren, sodass Ihre Vermögensanlagen Ihren derzeitigen und künftigen Erfordernissen angepasst werden können. Es wird Ihnen vor allem möglich sein, Ihre Rente durch Einkünfte aus Ihren Vermögensanlagen aufzubessern.
    Prüfen Sie ebenfalls, ob Ihre Familienversicherungen "Gesundheit" (Krankenhausaufenthalt, Unfälle, Abhängigkeit usw.) nicht nachzubessern sind.
     
  • Ihr Wohnsitz und Immobilienvermögen
    Der Gesetzgeber schützt den hinterbliebenen Ehepartner, indem er ihm zumindest den Nießbrauch am Familienwohnsitz einschließlich des Hausrats zugesteht. Dieser Schutz gilt ebenfalls für den gesetzlich zusammenwohnenden Partner, es sei denn, der Verstorbene hat ihn testamentarisch enterbt.
    Den Nießbrauch zu besitzen bedeutet, dass Sie die Wohnung lebenslang selbst nutzen oder die Mieteinnahmen hieraus vereinnahmen dürfen.
    Falls Sie das Objekt verkaufen wollen, so können Sie nur diejenigen Werte veräußern, an denen Sie Volleigentum besitzen, andernfalls müssen Sie die Einwilligung der Nackteigentümer einholen.
    In keinem Falle können Sie zum Verkauf Ihres Hauptwohnsitzes gezwungen werden, auf den Sie einen Nießbrauchanspruch haben.
     
 
Welche Rolle übernimmt hierbei Ihre BNP Paribas Fortis-Zweigstelle?


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